Neun von zehn Mautbetrugsfällen, bei denen gefälschte Nachrichten über angeblich unbezahlte Mautgebühren mit Strafzahlungen oder einer Führerscheinsperre drohen, werden per E-Mail oder SMS verschickt. Etwa sechs von zehn Romance-Scams finden dagegen in sozialen Medien statt. Das zeigt eine neue Studie von Malwarebytes, einem weltweit führenden Anbieter von Cyberschutz in Echtzeit. Die Ergebnisse zeigen, wie Kriminelle bestimmte Betrugsarten gezielt auf die Plattformen zuschneiden, auf denen sie am wahrscheinlichsten erfolgreich sind.
Die Ergebnisse basieren auf globalen Daten aus den Bedrohungsforschungssystemen von Malwarebytes. Malwarebytes hat mehr als 20 verschiedene Betrugsarten analysiert, darunter Tech-Support-Betrug, Rückerstattungsbetrug, Sextortion und Scareware. Dabei zeigte sich, dass jede Betrugsart einen bevorzugten Verbreitungskanal nutzt.
„Betrüger gehen immer strategischer bei ihrer Wahl vor, wo und wann sie ihre Opfer ins Visier nehmen“, sagt Shahak Shalev, Global Head of Scam and AI Research bei Malwarebytes. „Bestimmte Betrugsmaschen funktionieren auf bestimmten Plattformen und zu bestimmten Zeitpunkten besser. Betrüger wiederholen, was erfolgreich ist. Wenn Menschen wissen, wo und wann bestimmte Betrugsmaschen am wahrscheinlichsten auftreten, können sie diese erkennen, bevor sie darauf reinfallen.“
Die zentralen Erkenntnisse
- Jede Betrugsart hat eine bevorzugte Plattform. Gefälschte Gewinnspiel-Betrugsmaschen erreichen Menschen deutlich häufiger über soziale Medien als per E-Mail oder SMS. Die Hälfte aller Betrugsmaschen, bei denen sich Täter als Behördenmitarbeiter ausgeben, erfolgt über Telefonanrufe. Job-Betrug wird bevorzugt per E-Mail verbreitet, während Romance-Scams meist in sozialen Medien stattfinden und Tech-Support-Betrug vor allem auf Telefonanrufe setzt.
- Das Internet bleibt das wichtigste Jagdrevier. Trotz des zunehmenden Einsatzes von sozialen Medien und Messaging-Apps werden Betrugsmaschen weiterhin am häufigsten über das Internet verbreitet, gefolgt von E-Mail und SMS.
- MrBeast ist die am häufigsten imitierte Person, vor Elon Musk und Donald Trump. MrBeast taucht in rund 30 Prozent der von Malwarebytes erfassten Identitätsbetrugsfälle auf, von Krypto-Gewinnspielen bis hin zu Betrugsmaschen mit angeblichen Überweisungsgebühren. Elon Musk belegt den zweiten Platz, Donald Trump den dritten.
- Mittags ist die „Hauptzeit“ für Betrugs-SMS. Die Daten von Malwarebytes zeigen, dass das Volumen von Betrugs-SMS um 12 Uhr seinen Höchststand erreicht. Zu diesem Zeitpunkt ist das Aufkommen etwa 874 Prozent höher als zur ruhigsten Stunde um 1 Uhr morgens.
- Das Volumen von Betrugs-SMS steigt im Laufe der Woche an und erreicht freitags seinen Höhepunkt. Die Zahl der Nachrichten steigt kontinuierlich ausgehend von einem Tiefpunkt am Sonntag. Bis Freitag erhalten Menschen etwa 50 Prozent mehr betrügerische SMS als zu Beginn der Woche.
- Betrüger bevorzugen die bekanntesten Marken der Welt. Auf Grundlage der Meldungen von Malwarebytes-Nutzern sind Google, Microsoft, Apple, Roblox und Amazon in dieser Reihenfolge die fünf am häufigsten imitierten Marken. Der Name Google taucht in Betrugsinhalten mindestens doppelt so häufig auf wie der Name Amazon.
- Gaming-Plattformen werden zunehmend zu einem beliebten Ziel. Roblox, Steam, Discord und Minecraft waren die am häufigsten imitierten Gaming-Plattformen. Bei Roblox stieg die Aktivität von Betrugsmaschen von Mitte Juni bis Mitte Juli um 15 Prozent, bei Steam im gleichen Zeitraum um 19 Prozent.
- Eine von fünf als verdächtig eingestuften Sitzungen ist mit hohem Risiko verbunden. Malwarebytes Scam Guard prüft Nachrichten, Telefonnummern, SMS, Social-Media-Nachrichten und Links anhand seiner Bedrohungsdatenbank. Das System stuft etwa eine von fünf analysierten Sitzungen als hohes Risiko ein. Das bedeutet, dass sie zu einem Verlust von mindestens 1.000 US-Dollar oder zu einem anderen persönlichen Schaden führen könnten.
So lassen sich Betrugsmaschen erkennen und verhindern
Malwarebytes empfiehlt folgende Maßnahmen, um das Risiko zu verringern:
- Nicht auf Links klicken und keine Telefonnummern aus unerwarteten E-Mails, SMS oder Direktnachrichten in sozialen Medien anrufen.
- Im Zweifelsfall die Echtheit einer Nachricht überprüfen, indem die offizielle Website des Unternehmens direkt aufgerufen und über offizielle Kanäle Kontakt aufgenommen wird. Nicht über gesponserte Suchergebnisse auf die Website gehen, da sich dahinter Betrugsversuche verbergen können.
- Niemals persönliche Daten, PINs, Passwörter, Zahlungsinformationen oder Verifizierungscodes während eines unerwarteten Anrufs weitergeben. Seriöse Unternehmen fragen telefonisch nicht nach Passwörtern oder Verifizierungscodes. Das Gespräch beenden und die Organisation über die offizielle Telefonnummer zurückrufen.
- Eine Browser-Erweiterung verwenden, die Betrugs- und Phishing-Websites blockiert, wie zum Beispiel Malwarebytes Browser Guard. Diese kann gefälschte Online-Shops erkennen, bevor Nutzer eine solche Website öffnen.
- Eine Sicherheitslösung für Mobilgeräte installieren, die Betrugs- und Spam-SMS herausfiltert, beispielsweise Malwarebytes Mobile Security. Diese ergänzt den umfassenden Schutz mit Echtzeit-Schutz für Desktop-Geräte.
- Mit Malwarebytes Scam Guard prüfen, ob eine Nachricht echt ist. Das Tool analysiert Inhalte, Nachrichten, Telefonnummern, SMS und Links anhand seiner Bedrohungsdatenbank und liefert Hinweise auf Warnsignale sowie empfohlene nächste Schritte.
Über die Studie
Die Daten in diesem Bericht stammen aus den firmeneigenen Bedrohungsforschungssystemen von Malwarebytes und wurden zwischen dem 15. April und dem 14. Juli 2026 erhoben. Alle Daten sind anonymisiert und zeigen, welche Erkenntnisse Malwarebytes über die eigene Infrastruktur gewinnen kann.
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