Persönliche Schutzausrüstung im Defence-Sektor erfordert extrem belastbare, leichte Hochleistungsfasern. Diese waren bis dato sehr chemikalienintensiv in der Herstellung. Für eine alternatives Fertigungsverfahren erhält der britische Faserspezialist Fibre Extrusion Technology (FET) den Techtextil Innovation Award 2026 in der Kategorie „New Production Technology, Digitalization & AI Solutions“.
Die achtköpfige Expertenjury prämiert ein von FET entwickeltes lösungsmittelfreies Verfahren zur Herstellung von Ultra-High-Molecular-Weight Polyethylene (UHMWPE). Wegen seiner enormen Festigkeit bei minimalem Gewicht bildet das Polymer das Schlüsselmaterial für ballistische Schutzsysteme. Es ist bis zu 15-mal fester als Stahl und ermöglicht dadurch besonders leichte und gleichzeitig hochbelastbare Schutzlösungen. Statt toxischer Lösungsmittel wie Hexan oder Dichlormethan setzt FET superkritisches Kohlenstoffdioxid (sCO2) ein. Der resultierende Prozess erhält die mechanische Belastbarkeit und das niedrige Gewicht der Faser uneingeschränkt.
Hohe Materialleistung trifft auf Serienreife
Für Hersteller ballistischer Schutzsysteme eröffnet UHMWPE neue Spielräume bei der Materialauswahl. Die Kombination aus extrem hoher Festigkeit und geringem Gewicht erlaubt leistungsfähigere und gleichzeitig komfortablere Schutzsysteme. Besonders relevant ist die Innovation für Entwicklungsverantwortliche, Produktmanager und Materialexperten, die leichtere und zugleich belastbare Lösungen für Body Armor und verwandte Anwendungen vorantreiben. Ebenso gewinnt der Ansatz für Beschaffungsverantwortliche und technische Leiter bei Systemanbietern, Integratoren und spezialisierten Ausrüstern an Bedeutung. Neben der Schutzleistung selektieren sie Materialien auch nach Prozessstabilität, Skalierbarkeit und Umweltkriterien.
„Toxische Lösungsmittel wie Hexan entwickeln sich in Europa zunehmend zum regulatorischen Ausfallrisiko. Daher setzen wir auf superkritisches CO₂ und stellen sicher, dass wir einsatzkritische Schutzsysteme auch in Zukunft zuverlässig und nachhaltig fertigen können. Wir freuen uns sehr über die Bestätigung durch den Techtextil Innovation Award“, betont Jonathan Hunter, R&D Manager bei FET.
„Die prämierte Lösung von FET beweist, dass sich technologische Innovation, nachhaltigere Schutzsysteme und industrielle Skalierbarkeit erfolgreich vereinen lassen“, sagt Sabine Scharrer, Director Techtextil und Texprocess. „Mit dem Techtextil Innovation Award rücken wir solche marktreifen Lösungen gezielt in den Fokus der Beschaffung.“
Für den internationalen Markt dient der Branchenpreis als Qualitätsindikator. Er prämiert technologische Entwicklungen, die nachweisbar in die industrielle Praxis skalieren. Diese Vorselektion liefert Entwicklern und Beschaffungsverantwortlichen wertvolle Orientierung bei der Wahl von Materialien für anspruchsvolle Anwendungen. Der Techtextil Innovation Award wird alle zwei Jahre in sieben Kategorien – von neuen Materialien bis zu neuen Produktionstechnologien – verliehen. Die ausgezeichneten Ideen dienen als Treiber für Branchen wie Automobil, Medizin oder Raumfahrt.
Die Siegerehrung der Techtextil Innovation Awards findet am 21. April 2026 ab 16:30 im Techtextil Forum in Halle 9 Ebene 1, D50 statt. Die Gewinnerprojekte sind bis zum 24. April 2026 im Rahmen der Sonderpräsentation in Halle 11 Ebene 1, C51 live zu sehen.