Die Stiftung Menschen für Menschen (MFM), die seit über 40 Jahren nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit in Äthiopien leistet, führt eine eigens entwickelte Monitoring- und Evaluations-App ein, die ab dem 1. Januar 2026 offiziell in allen Projektgebieten der Organisation zum Einsatz kommen wird. Die webbasierte Lösung wurde von Dr. Habtamu Yismaw, Monitoring- und Evaluation-Manager der Stiftung, speziell für Menschen für Menschen entwickelt und bildet erstmals die komplexen Planungs- und Reportingprozesse der Stiftung vollständig in einem zentralen System ab. Verwenden NGOs zur Datenerfassung bislang meist einfache Excel-Tabellen und Papierbögen, zeigt Menschen für Menschen mit dieser App, wie es besser geht: Planung, Datenerhebung und Berichtswesen werden deutlich vereinfacht und beschleunigt, Fehler reduziert und die Wirkung der Maßnahmen für Spenderinnen und Spender noch transparenter gemacht.
Bereits im zweiten Quartal 2025 wurde die App in einem Pilotlauf getestet. Projektleiterinnen und Projektleiter konnten ihre regulären Planungs- und Dokumentationsaufgaben erstmals direkt in der Anwendung durchführen und erhielten automatisch formatierte Berichte, die bislang händisch aus Exceltabellen zusammengestellt werden mussten. Die Rückmeldungen bestätigten die Erwartungen: Die Arbeit erfolgt dank der App schneller, die Daten sind klarer strukturiert und die Fehlerquote ist deutlich geringer.
Von der Forschungsidee zum Einsatz in der Projektarbeit
Die Wurzeln des Projekts reichen zurück zur Corona-Pandemie. Während seiner Promotion an der Universität Hohenheim konnte Dr. Yismaw, der in einem Dorf im Westen Äthiopiens geboren wurde, nicht wie geplant nach Äthiopien reisen, um Daten für seine Forschung zur Anpassungsfähigkeit der Kleinbauern gegenüber Schädlingen und den Folgen des Klimawandels zu erheben. Er entwickelte daher eine App, mit der Kolleginnen und Kollegen vor Ort die fehlenden Informationen digital sammeln konnten. Seit Anfang 2025 arbeitet Dr. Yismaw bei der Stiftung Menschen für Menschen und führt diese Idee nun als Monitoring- und Evaluationslösung für die Projektarbeit der Organisation weiter.
Die Anwendung führt durch den gesamten Prozess der Projektplanung und Berichterstattung. Zu Beginn wählen die Nutzerinnen und Nutzer alle relevanten Aktivitäten eines Projektgebiets aus und legen Drei-Jahres-Ziele fest, die automatisch auf Jahres- und Quartalsebene heruntergebrochen werden. Während der Quartalsmeldungen prüft die App alle Eingaben und verhindert fehlende Werte, sodass unvollständige Berichte nicht eingereicht werden können. Zudem vergleicht sie aktuelle Ergebnisse mit den zuvor definierten Zielen, speichert Daten zentral ab und erstellt auf Knopfdruck formatierte Berichte inklusive anschaulicher Grafiken zu einzelnen Maßnahmen oder Fortschritten ganzer Projektgebiete. Alle erfassten Informationen stehen zudem in einem interaktiven Dashboard zur Verfügung, sodass zum Beispiel Fundraising und Spendenberichte jederzeit die aktuellsten Daten zur Verfügung haben.
Technisch solide und praxisnah entwickelt
Die App basiert auf den Programmiersprachen R, Python und SQL und läuft vollständig webbasiert im Browser. Die Daten werden auf einem von Menschen für Menschen verwalteten virtuellen Server gespeichert. Damit Mitarbeitende in den Projektgebieten ohne zusätzliche technische Hürden einsteigen können, orientiert sich die Nutzeroberfläche bewusst an den bisherigen Excelformaten. Wer offline arbeitet, kann wie gewohnt Excelvorlagen herunterladen, Einträge vornehmen und diese später wieder hochladen. Zur Einführung der App fanden bereits zwei Workshops am Standort Addis Abeba statt, weitere werden vor dem flächendeckenden Launch folgen.
„Die App zeigt, wie digitale Lösungen unsere Arbeit in Äthiopien stärken und effizienter machen können“, sagt Dr. Sebastian Brandis, Vorstandssprecher der Stiftung Menschen für Menschen. „Die Lösung schafft Transparenz für Spenderinnen und Spender, spart Zeit, reduziert Fehler und ermöglicht unseren Teams, sich stärker auf die praktische Arbeit vor Ort zu konzentrieren. Wir freuen uns, dass wir diese Innovation dank Habtamu Yismaw aus der eigenen Organisation heraus entwickeln konnten.“
„Für mich ist es etwas Besonderes, mit dieser App zur Arbeit von Menschen für Menschen beizutragen“, ergänzt Dr. Habtamu Yismaw. „Ich kenne die Herausforderungen in den ländlichen Regionen Äthiopiens aus eigener Erfahrung und freue mich, dass wir mit dieser individuellen, digitalen Lösung die Projektarbeit vor Ort und die Zusammenarbeit über Kontinente hinweg spürbar erleichtern können. Mitarbeitende mit einem Zugang zur App können ab 2026 jederzeit und überall auf alle wichtigen Daten zugreifen, was unsere Arbeit deutlich flexibler und verlässlicher macht. Da die App speziell auf die Bedürfnisse von Menschen für Menschen zugeschnitten ist, ist sie besonders wirksam.“


